Kennen Sie das?

Ihr Kind steigt morgens aus dem Bett und hat das Smartphone schon in der Hand. Es schreibt bereits mit Freundinnen und Freunden. An das Gesicht Ihres Kindes können Sie sich kaum noch erinnern, denn sein Blick richtet sich durchgehend auf ein Display. Zurück aus der Schule verlässt Ihr Kind sein Zimmer ausschließlich zum Toilettengang. Das Online-Spiel wird nur noch von den familiären Mahlzeiten unterbrochen — Ihr Kind ist zwar körperlich anwesend, widmet dem Touchscreen jedoch mehr Aufmerksamkeit als dem Essen auf dem Teller. Ganz zu schweigen von gemeinsamen Aktivitäten mit der Familie — hier ist das Interesse gleich Null.

Was ist mit Ihrem Kind los?

Medien sind spannende Zeitfresser und sehr beliebt. Das ist auch kein Wunder, denn sie bieten unzählige Unterhaltungs-, Entspannungs-, Informations-, Teilhabe- sowie Kommunikationsmöglichkeiten. Kinder und Jugendliche können sie konsumieren, aber auch aktiv nutzen: Das reicht vom privaten Spielraum über interessensbezogene Gruppenchats bis hin zu öffentlichen Präsentationsplattformen. Es bleiben kaum Wünsche offen.

Medien sind in der gesamten Gesellschaft allgegenwärtig. In der Arbeitswelt wie auch in der Freizeit. Sie machen Spaß, erleichtern die Kommunikation und Organisation und erfüllen durch die Anbindung an Soziale Netzwerke wichtige Bedürfnisse. Die vielfältigen Funktionen werden ganz selbstverständlich genutzt. Kinder, die heute die 5. Klasse besuchen, haben eine Welt ohne Smartphones selbst nicht mehr erlebt*. Entsprechend hoch ist ihr Stellenwert – sie sind nicht mehr wegzudenken.

* Das erste Smartphone (iPhone) erschien 2006.

Das können sie tun:

Erste Voraussetzung, um mit ihrem Kind über seine Mediennutzung ins Gespräch zu kommen, ist eine wertschätzende Grundhaltung – ob Sie Soziale Netzwerke, Games und YouTuber mögen oder nicht. Beides ist aktuell Teil der Jugendkultur und wichtig für Ihr Kind. Bemühen Sie sich ein Interesse für die medialen Aktivitäten Ihres Kindes zu entwickeln, um so eine gemeinsame Auseinandersetzung zu ermöglichen. Durch diesen Einblick und das erworbene Wissen können Sie die Mediennutzung besser nachvollziehen sowie besser abschätzen, wo Potenziale und Gefahren liegen. Angebote, Apps und Inhalte sollten kritisch bewertet und hinterfragt werden. Hier ist Ihre Vorbildrolle besonders wichtig: Wie sieht’s bei Ihnen aus? Wieviele Stunden nutzen Sie Medien täglich? Wie oft wandert Ihr Blick auf’s Smartphone? Gehen Sie während des gemeinsamen Essens an Ihr Telefon? Schreiben Sie Nachrichten, während Sie sich gerade unterhalten? Werden Sie nervös, wenn der Akku zur Neige geht? Surfen Sie, während Sie fernsehen, nebenbei im Internet? Gönnen Sie sich bewusst mal ein Pause vom Medienkonsum?

Ihre Forderungen, den Medienkonsum zu begrenzen werden glaubwürdiger, wenn Sie Ihrem Kind ein Vorbild sind und selbst reflektiert und bewusst mit Medien umgehen. Unterstützen Sie ihr Kind dabei, selbstständig mit Medien umzugehen und die damit verbundenen Entwicklungsaufgaben (z.B. Selbstregulierung) zu bewältigen. Setzen Sie Grenzen, da wo sie nötig sind und erarbeiten Sie gemeinsam Regeln (z.B. medienfreie Zeiten) und alternative Aktivitäten (bspw. mit der Familie). Vermeiden Sie Sanktionen und Verbote, denn diese werden die Rebellion verschärfen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Nutzungsgewohnheiten – es hat ein eigenes Problembewusstsein.

Seien Sie sich sicher, Sie sind nicht die einzigen Eltern, die aktuell mit diesen erzieherischen Herausforderungen zu kämpfen haben. Sprechen Sie mit anderen Eltern, gehen Sie in den Austausch, nutzen Sie Elternabende, Elternstammtische und die neugegründete Selbsthilfegruppe für Angehörige!